Öffentlicher Personennahverkehr …
… aller 30 Minuten in jedem Dorf!
Am vergangenen Montag fand in Limbach-Oberfrohna ein Kongress zum Thema „Ländlicher Raum – Vielfalt leben” statt. Die StattZeitung folgte der Einladung der Sächsischen Staatsregierung. Mit ca. 700 Teilnehmern war die Stadthalle sehr gut besucht.

Einen Beitrag über den Kongress bzw. die damit verbundenen Aktivitäten findet man hier beim MDR (Screenshot MDR).
In den vergangenen Monaten tourte insbesondere der sächsische Umwelt- und Landwirtschaftsminister Frank Kupfer durch die sächsische Provinz und veranstaltete verschiedene Ideenbörsen. Ein Resümee dieser Veranstaltungen sowie die Vorstellungen der Ergebnisse einer Forsa-Umfrage „Was erwarten die Bewohner im ländlichen Raum?“ waren eigentlich zentrale Themen des Kongresses.
Zu den Höhepunkten avancierten jedoch zwei Gastredner:
Dr. Erwin Pröll ist seit 1992 Landeshauptmann von Niederösterreich, dem größten Land der Alpenrepublik. Unter seiner Regierung entwickelte sich ein eher trister und ländlich geprägter Landesteil zu einer der innovativsten Regionen Europas. Aus einer regionalen Aktion „NÖ (Niederösterreich) schön erhalten – schöner gestalten“ entstand erst eine Bürgerbewegung und später sogar eine europaweite Initiative.
Mit einer Ortsbildaktion wurden zuerst die Gebäude und damit die Historie von Niederösterreich erhalten. Danach folgte eine konzentrierte Phase, um die Menschen in den ländlichen Regionen zu halten. Zu dieser Zeit wurden Unternehmen und Schulen angesiedelt, Verkehrswege gebaut, der öffentliche Nahverkehr belebt. Derzeit sieht Pröll die Hauptaufgabe darin, den sozialen Zusammenhalt in den Dörfern und Kleinstädten zu stärken.
Dr. Michl Ebner ist Präsident der Handelskammer Bozen (Südtirol). Er vermittelte die Schwierigkeiten, die ein fast autark agierender deutscher Landstrich in Italien hat. Vergleichende Grafiken über das Sterben der Landwirtschaft, die Wiederansiedlung von jungen Familien oder die wirtschaftliche Entwicklung von Südtirol waren schon beachtlich. Während im gesamten Alpenraum große Probleme in allen wirtschaftliche Fragen bestehen, boomt dieser Teil der norditalienischen Provinz. So hat man es in Südtirol geschafft, dass jedes Dorf im 30-Minutentakt durch den öffentlichen Personennahverkehr erreicht werden kann!!!
Beide Regionen haben übrigens auch schon vor vielen Jahren große Einkaufsmärkte und Lebensmitteldiscounter über einer bestimmten Ladengröße verboten!
Nach diesen starken Vorträgen wirkte der sächsische Ministerpräsident Stanislaw Tillich – „Ich bin stolz ein Sachse zu sein“ – etwas blass. Sein Ziel, dass jeder Sachse in 30 Minuten eine Autobahnanschlussstelle erreichen können sollte, erschien schon etwas antiquiert. Allerdings gab er auch zu, dass es verschiedene Ansätze gibt, wo man voneinander lernen könne. Außerordentlich kritisch hingegen bedachte der sächsische Ministerpräsident die Marketing-Aktivitäten im Tourismus. Jeder koche sein eigenes Süppchen und es wäre beispielsweise schwer, einen schnellen Überblick im Internet zu finden. Und auch generell könnte sich die sächsische Wirtschaft noch besser vermarkten.
Natürlich spielt beim Thema „Ländlicher Raum“ auch die Landwirtschaft, gesunde Ernährung oder krähende Hähne auf dem Mist eine Rolle. Insgesamt war man sich aber einig, dass die ländliche Region selbst für sich entscheiden solle. Man kann keine Erfahrungen aus den großen Städten in die Dörfer übertragen. Wenn die Dörfer sterben, verkommt die Landschaft und dies trifft dann auch wieder Erholungssuchende aus den Ballungsräumen oder Leute, die sich gesunde regionale Lebensmittel wünschen.
Man stehe daher mit den Städten in Konkurrenz und deshalb sollte man sich engagieren, ein besseres Angebot zum Leben und Arbeiten auf dem Lande zu machen.
Ein durchaus interessanter Abend mit einem großen Erkenntnisgewinn – für mich.
Nachgefragt beim Bürgermeister, welche Schlüsse Dippoldiswalde aus dem Kongress sowie der Forsa-Umfrage gezogen hat bzw. ziehen könnte antwortete Ralf Kerndt, dass Dippoldiswalde hier “nicht beteiligt” gewesen sei. Vielmehr würde Dipps mit den Verantwortlichen der ILE-Region im Gespräch sein und mit der STEG-Stadtentwicklungsgesellschaft an anderen Konzepten arbeiten.
Mit dieser Antwort verklärt der OB allerdings die Wahrheit, oder Ralf Kerndt irrt vorsätzlich: Dass die STEG, die in Dipps die Sanierung der Innenstadt betreut, nicht wirklich für den ländlichen Raum zuständig ist, erfährt man schon beim Lesen des Namens der Firma.
Und die ILE-Region “Silbernes Erzgebirge” – ILE steht für Integrierte Ländliche Entwicklung und fördert mit Geldern der EU die Entwicklung des ländlichen Raumes – war in Limbach-Oberfrohna anwesend!
Februar 5th, 2014 at 23:24
Limbach -Oberfrohna ist weit weg. Ausserhalb der Arbeitszeit. Wem interessiert das noch und auf die letzten Tage schon gar nicht! So könnte man denken!
Bei den vielen Ortsteilen die Dipps nun hat sollte man sich schon Fragen . Wie kommt die älterwerdende Bevölkerung wenigstens in den Stadtkern. Es gibt schon Möglichkeiten , dies zu bewerkstelligen. Nur müsste man sich da mal einen Kopf machen. Wenn es den BM nicht interessiert, wer soll das sonst machen?
Aber auch er wird älter und kränklicher, dann wird er schon sehen was er verpasst hat. Dann wird er da sitzen und wird sagen, das “hätte” ich machen können.
Februar 6th, 2014 at 21:26
Schön das man sich an höherer Stelle Gedanken über das Leben im ländlichen Raum macht. Im Rathaus von Dippoldiswalde ist ja eher das Gegenteil der Fall. So haben es die Einwohner der Ortsteile und von kommunalen Strassen selbst in der Kernstadt in den vergangenen 2 Wintern erlebt. Wie ist es möglich, das man den Winterdienst einfach auf Anlieger abwälzt, und in Kauf nimmt das Rettungsfahrzeuge und Feuerwehr dann nicht mehr alle Grundstücke erreichen. Vermutlich muss erst etwas passieren, damit der Stadtrat sich dieses Themas annimmt. Alle Stadträte wohnen meines Wissens ja nicht im Mühlfeld Paulsdorf, was ja laut OB nicht geräumt werden muss, aber mit der Technik des Bauhofs gut befahren werden kann (SZ-Artikel vom 20. Februar 2013!)
Ein anderes Thema sind die Ruinen der ehemaligen Hydraulik Dippoldiswalde. Warum wird ein Investor ausgebremst, der etwas für die Region tun will? Wenige Orte bekommen so eine Chance, darin steckt ein enormes Potential.
Ein Beispiel: Metzingen (Baden-Würtemberg) Outletverkauf- für die, die noch nicht über den Gartenzaun geschaut haben- Fabrikverkauf. Die haben sicher auch mal klein angefangen. Dort sind Arbeitsplätze entstanden, die Stadt hat sicher mehr Steuereinnahmen und auch Gaststätten und andere Einrichtungen werden besucht.
Man kann Ähnliches natürlich in anderen Regionen Sachsens machen und wir Dippoldiswalder fahren in ein paar Jahren da hin und staunen. Und dann fahren wir wieder nach hause und…………….. schlafen weiter -in diesem Sinne- gute Nacht!