Ein starker Auftakt
Die Dippser Stadtkirche St. Marien und Laurentius war sehr gut besucht, als die neue Sonderausstellung „SILBERRAUSCH UND BERGGESCHREY“ offiziell eröffnet wurde.
Frau Dr. Hemker, die Projektleiterin von ArchaeoMontan, moderierte souverän durch die verschiedenen Grußworte. Dazu zählten:
- Pfarrer Dr. Sebastian Schurich, als Hausherr der evangelisch-lutherischen Kirchgemeinde Dippoldiswalde,
- Oberbürgermeister Jens Peter,
- Andrea Dombois, die bis zur nächsten Sitzung des Sächsischen Landtages noch als 1. Vizepräsidentin dieses Gremiums agiert,
- PhDr. Oleg Kalaš, Ratsmitglied für Kultur und Denkmalpflege im Regierungsbezirk Kalovy Vary,
- Dr. Tatjana Frey, Referatsleiterin für Museen und Archäologie im Sächsischen Staatsministerium für Wissenschaft und Kunst,
- Mgr. Radek Spála, Leiter der Abteilung Kultur und Denkmalpflege, Bezirksverwaltung Ústí nad Labem,
- Dr. Regina Smolnik, Landesarchäologin Freistaat Sachsen,
- Prof. Dr. Bernhard Cramer, Oberberghauptmann, Leiter des Sächsisches Oberbergamtes in Freiberg und
- Wendy Eixler, Ausstellungsleiterin des Projektes ArchaeoMontan.

Zu den Höhepunkten der Ausstellung zählt zweifelsfrei diese jahrhundertealte Fahrt (Holzleiter)
Alle Redner wiesen auf die Einmaligkeit der Funde in und um Dippoldiswalde hin, erinnerten im Zusammenhang auf den Veranstaltungsort auch auf die enge Bindung der mittelalterlichen Bergmänner zu Kirche und Glauben und bewunderten das kaum verfälschte „Fenster in die Vergangenheit“. Über 150 verschiedene Exponate werden in der Wanderausstellung gezeigt. Alle Texte und Informationen wurden entsprechend den Förderbedingungen auch ins Tschechische übersetzt.
Gleichzeitig bietet sich nun unserer Stadt aber eine große Chance. Nutzt man alle Möglichkeiten, bietet sich vielleicht auch die Option, das bereits gedanklich vorgestellte Zentrum des mittelalterlichen Bergbaus in Dippoldiswalde doch realisieren zu können.
Mit dieser neuen Ausstellung wären auch neue Depots, Tagungsräume sowie eine Bibliothek am Lohgerbermuseum möglich, lies Jens Peter seinen Blick in die Zukunft schweifen.
Kulturell wurde die Veranstaltung durch die Freiberger Bergsänger sowie durch ein Ensemble der Jugendkunstschule T.G. Masaryk Chomutov begleitet. Auch wenn vielleicht nicht jeder Ton getroffen wurde, so begeisterten gerade die jungen Musiker aus Tschechien mit ihrem erfrischenden Auftritt.
Im Anschluss wurde die Ausstellung für die geladenen Gäste eröffnet. Den Besucher erwarten eine wirklich interessante Ausstellung, ein modernes Museumskonzept und auch die Begeisterung, sein neues Wissen mit nach Hause zu nehmen.
Nun obliegt es allen Dippsern, insbesondere aber den Machern der Ausstellung und den Verantwortlichen in der Stadtverwaltung, die Euphorie möglichst bis zum Schluss der Ausstellung zu erhalten und auch fortzuführen, so dass am Ende das Zentrum für mittelalterlichen Bergbau in Dippoldiswalde vielleicht doch Realität wird.
„SILBERRAUSCH UND BERGGESCHREY – ARCHÄOLOGIE DES MITTELALTERLICHEN BERGBAUS IN SACHSEN UND BÖHMEN“
Ort: Museum Osterzgebirgsgalerie im Schloss, Kirchplatz 8, 01744 Dippoldiswalde
Zeitraum: 24. Oktober 2014 bis 29. März 2015
Öffnungszeiten: Dienstag – Freitag 11 – 18 Uhr / Samstag, Sonntag, Feiertage 10 – 17 Uhr / Montags, 24.12.2014, 31.12.2014 geschlossen
Im Internet: www.silberrausch-berggeschrey.de
Hier lesen Sie den offiziellen Pressetext der Ausstellungsmacher:
Viele wichtige Entdeckungen der Geschichte basieren auf Zufällen. Dazu zählt in der letzten Zeit auch eine der bedeutendsten Fundstellen in der Montanarchäologie Europas. Sie bildet die Grundlage für die am 24. Oktober 2014 beginnende Ausstellung in der Osterzgebirgsgalerie im Schloss Dippoldiswalde.
Die Hochwasserkatastrophe in Sachsen brachte im Jahr 2002 eine über 800 Jahre verborgene Welt ans Licht. Jahrhundertelang unbemerkt verbargen sich unter der Stadt Dippoldiswalde vergessene Silberbergwerke aus dem hohen Mittelalter, die durch die Fluten freigespült wurden. Mitarbeiter des Landesamtes für Archäologie in Dresden entdeckten in dem unterirdischen Grubensystem außergewöhnlich gute erhalte Holzfunde, die europaweit einzigartig sind und ein Glücksfall für die Montanarchäologie bedeuten. Auch legen die Funde nahe, dass Dippoldiswalde nach Freiberg wohl der zweitälteste Abbauort für Silbererze im sächsisch-böhmischen Erzgebirge ist.
Die Entdeckung der Silbergruben von Dippoldiswalde war die Initialzündung für das deutsch-tschechische ArchaeoMontan-Projekt, das sich seit 2012 der Erforschung des mittelalterlichen Bergbaus in Sachsen und Böhmen widmet und durch die EU gefördert wird.
Die spektakulären Ergebnisse aus dieser grenzüberschreitenden Zusammenarbeit können nun erstmals in einer Ausstellung von der Öffentlichkeit besichtigt werden. Noch bis zum 29. März 2015 bietet sich den Besuchern ein faszinierender Einblick in die Welt der Bergbauarchäologie und ihrer Entdeckungen. Die fächerübergreifenden Untersuchungsmethoden des ArchaeoMontan-Teams, bei der über und unter Tage auch hochmodernste Laser- und 3D-Technik zum Einsatz kommen, bildet einen Schwerpunkt der Schau. Im Mittelpunkt der Ausstellung stehen die Arbeitswelt und das Leben der Berg- und Hüttenleute in den mittelalterlichen Bergwerken und -städten. Gezeigt werden über 150 Exponate aus dem sächsischen und böhmischen Erzgebirge sowie anderen bedeutenden Montanregionen des Mittelalters. Zu den Highlights zählen die sensationellen Holzfunde aus Dippoldiswalde und Niederpöbel, darunter noch niemals zuvor ausgestellte Haspelteile, Erztröge, Schaufeln, Kratzen und andere Werkzeuge aus dem 12. und 13. Jahrhundert.
Dank zahlreicher Medienstationen mit Filmbeiträgen und 3D-Animationen ist ein abwechslungsreicher, spannender und anschaulicher Rundgang rund um den mittelalterlichen Bergbau entstanden. Im Eintrittspreis inbegriffen ist zudem eine kurzweilige Hörführung mit Interviews, Spielszenen und interessanten Informationen zu den Exponaten.
Die als Wanderausstellung konzipierte Schau war vorab bereits in Tschechien zu sehen und ist nach Dippoldiswalde für weitere regionale und überregionale Standorte vorgesehen.
Schwerpunkte der Ausstellung:
DAS ARCHAEOMONTAN-PROJEKT
Zunächst wird die spannende Entdeckungsgeschichte der mittelalterlichen Silbergruben von Dippoldiswalde erzählt. Eine Filmstation mit Bildern der Hochwasserkatastrophe von 2002 stimmt den Besuchern emotional auf die damalige Situation ein, die letztendlich zum Auffinden der in Vergessenheit geratenen Bergwerke aus dem 12. und 13. Jahrhundert und der Initiierung des deutsch-tschechischen ArchaeoMontan-Projektes führte. Weitere Filmstationen widmen sich den archäologischen Prospektions- und Dokumentationsmethoden sowie der damit verbundenen interdisziplinären Arbeit des ArchaeoMontan-Teams. Ziel ist es, dem Besucher den gesamten Prozess von der archivalischen Recherche zur Identifizierung möglicher Altbergbaurelikte bis hin zu Methoden der Fernerkundung (Airborne-Laserscanning), Begehung, Vermessung und ggfs. Freilegung sowie der Bergung und Restaurierung von Funden und die sich daran anschließenden archäometrischen Untersuchungen zu vermitteln. Dabei wird zum einen die archäologische Arbeit über Tage anhand der Untersuchungen auf dem Kremsiger in Tschechien, zum anderen die archäologische Arbeit unter Tage anhand der Befunde und Funde in Dippoldiswalde vorgestellt.
DAS ERZGEBIRGE
Im Mittelpunkt stehen die historischen Prozesse, die zur Besiedlung des Erzgebirges, zum Auffinden des Silbers sowie zur Entwicklung des Silberbergbaus im Erzgebirge im 12. Jahrhundert führten. Die Bedeutung der Geldwirtschaft und des Handels sowie der Aufschwung der Stadtkulturen spielen hierbei eine wichtige Rolle und werden durch animierte Filme und einen Schatzfund anschaulich in Szene gesetzt.
VOM ERZ ZUR SILBERMÜNZE
Schon verhältnismäßig früh, um das Jahr 1180, also kurz nachdem die ersten Silbererzfunde in Christiansdorf beim späteren Freiberg im Jahre 1168 entdeckt wurden, begann der Bergbau in Dippoldiswalde. Davon zeugen die über die Jahrhunderte in Vergessenheit geratenen Silbergruben mit ihren außerordentlich gut erhaltenen Holzeinbauten und Werkzeugfunden. Sie ermöglichen erstmals eine Rekonstruktion der Betriebsorganisation in einem mittelalterlichen Bergwerk. Das „Herzstück“ der Ausstellung zeigt die bergmännischen Arbeitsabläufe des mittelalterlichen Silberbergbaus, angefangen vom Grubenausbau, der Gewinnung und Förderung der wertvollen Erze, der als Fahrung bezeichneten Fortbewegung der Bergleute unter Tage bis hin zur Wasserhaltung und zur Beleuchtung.
Zahlreiche Exponate informieren darüber hinaus über die Prozesse der Aufbereitung und Verhüttung der Erze sowie der Verarbeitung des dadurch gewonnenen Silbers in den mittelalterlichen Münzprägestätten des Erzgebirges. Zu den Highlights zählen ein 300 kg schwerer Erzmahlstein, der in einem Schacht in Dippoldiswalde entdeckt wurde, sowie Pochsteine, Silberbrakteaten und Münzschatzfunde. Ein in der Verhüttung verwendetes Stecheisen aus dem 13. Jahrhundert stammt aus der Harzer Montanregion und gilt bislang als Unikat in der montanarchäologischen Forschung.
DAS LEBEN IN DEN MITTELALTERLICHEN BERGSTÄDTEN
Die Bergleute, die ein Montangebiet neu erschlossen, kamen als Fachleute aus fremden Revieren und organisierten sich in genossenschaftlichen Berggemeinden, die vom Regalherrn bestimmte vertragliche Zusicherungen bekamen. Die arbeitstechnische und rechtliche Organisation führte zur Bildung kleiner, in sich abgeschlossener Bergbezirke, die selbständige ökonomische und juristische Einheiten waren. Vom Alltagsleben in den mittelalterlichen Bergbausiedlungen, in denen neben Berg- und Hüttenleuten auch Händler und Handwerker ansässig waren, erzählen zahlreiche Funde aus den Bergstädten des sächsisch-böhmischen Erzgebirges, des Oberbergischen Landes, des Harzes und Mährens. Bedeutende Objekte stammen aus der ehemaligen Bergstadt Bleiberg bei Sachsenburg und aus Freiberg, aber auch aus den neu entdeckten Bergbausiedlungen in Dippoldiswalde und dem Kremsiger-Gebirge in Tschechien. Spinnwirtel und Spielzeugfunde beweisen, dass die Bergleute mit ihren Familien in den Bergstädten lebten. Ein außerordentlich seltenes Scherzgefäß aus dem niedersächsischen Töpfereistandort Coppengrave, Glasfunde und importierte Keramikgefäße sind ein Hinweis darauf, dass die Bergleute durch den Silberbergbau zu Reichtum gelangten und sich mit fremden und kostbaren Gütern versorgen konnten.
Oktober 24th, 2014 at 11:31
Eindrücke bzw. eine schöne Fotodokumentation finden Sie hier auf der Homepage von Holger Becker:
http://beckerfotos.day4day.de/pages/fotos/silberrausch-und-berggeschrey.php