Dippser StattZeitung

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Artikel der Kategorie ‘Umwelt’

Lächerlicher Kommentar!

Oktober 12, 2010 Von: Heiko Frey Kategorie: Bürgerinitiativen, Tourismus, Umwelt 3 Kommentare →

Kommentar von Matthias Weigel, SZ vom 09.10.2010

Herr Weigel von der Sächsischen Zeitung scheint der Meinung zu sein, dass demokratisches Engagement in der Provinz nichts zu suchen hat, ja er bezeichnet den Protest entlang der (ehemaligen) Strecke der Weißeritztalbahn sogar als lächerlich.
Lächerlich dürfte dabei wohl eher sein, dass Journalisten Berichte über Ereignisse schreiben, ohne selbst vor Ort gewesen zu sein oder sich zumindest über Ziele und Hintergründe zu informieren.

Lächerlich auch die Reaktionen von einigen Medien sowie vieler Lokal-, Landes- und Bundespolitiker auf Bürgerproteste überhaupt, die von Ignoranz über Zynismus (S. Tillich in der SZ vom 11. Oktober 2010) bis hin zur Kriminalisierung demokratischer Aktivitäten reichen.

Keineswegs lächerlich, sondern eher bedenklich dürfte allerdings die Zurückhaltung der sächsischen Bürger, ihrer Meinung offen Ausdruck zu verleihen, sein. Woran liegt’s? Zufriedenheit? Vorsicht? Resignation? Mangel an Information?

Um letzterem entgegen zu wirken, gibt es hier noch einmal die Ziele des Dippser/ Schmiedeberger Schwabenstreiches. Mit den Schwabenstreichen wollen die Initiatoren:

  • den Wiederaufbau und Regelbetrieb der Weißeritztalbahn zwischen Freital-Hainsberg über Dippoldiswalde bis nach Kipsdorf erneut anmahnen. Anstatt Milliarden Euro von Steuergeldern in Vorzeigeprojekte zu investieren, an dessen Ende lediglich Investorengruppen und die Bankhäuser den Gewinn abschöpfen, sollten die (anscheinend) vorhandenen Mittel in Verkehrsprojekte investiert werden, die der Allgemeinheit dienen bzw. die kulturhistorisch bedeutsam sind. Dazu zählt der Wiederaufbau der Weißeritztalbahn auf der gesamten Streckenlänge.
  • Solidarität und Verbundenheit mit den Demonstranten in Stuttgart zeigen. Uns verbindet nicht nur die durchgehende Schiene der Eisenbahn. Die Investition von über 10 Milliarden Euro in Stuttgart würde viele Verkehrsprojekte in Sachsen (Nord-Süd-Verbindung Berlin-Dresden-Prag) infrage stellen. Der Regionalverkehr würde noch mehr ausgedünnt werden (siehe aktuelle Diskussion in der Sächsischen Landesregierung) und auch der Schülerverkehr würde darunter leiden.
  • auf die immer größer werdende Kluft zwischen Politik und Bevölkerung hinweisen. Ob aktuelle Kernkraft-Debatte (Merkel), die wirklichkeitsferne Forderung nach Selbstfürsorge bei Hochwasser und Wetterunbilden (Tillich) oder die oftmals fehlende Verzahnung regionaler und kommunaler Politiker mit ihren Wählern – so wie in Stuttgart eine große Interessengruppe derzeit missachtet wird, findet dies auch anderweitig überall im Land täglich statt.

Steintransporte sind genehmigt

Oktober 11, 2010 Von: Heiko Frey Kategorie: Landkreis, Umwelt, Verkehr Kommentare deaktiviert

Folgende Mitteilung des Landratsamtes von heute dürfte besonders die Bewohner in Elend und Ulberndorf interessieren:

Gesteinstransporte zum Hochwasserrückhaltebecken Glashütte rollen an

Das Landratsamt Sächsische Schweiz-Osterzgebirge hat heute die verkehrsrechtliche Anordnung für die Gesteinstransporte zum Hochwasserrückhaltebecken Glashütte erlassen. Adressat der Anordnung ist die Niederlassung Dippoldiswalde der STRABAG AG, die im Auftrag der Landestalsperrenverwaltung Sachsen das Bauvorhaben realisiert.

Das der Anordnung zugrunde liegende Verkehrskonzept sieht eine Abwicklung der Massetransporte vom Steinbruch Ulberndorf über die Querung der Ortslage Oberfrauendorf zur Baustelle vor. Die Leerfahrten erfolgen weitestgehend ohne Inanspruchnahme öffentlicher Verkehrswege über Forst- und Waldwege. Bis voraussichtlich Ende 2011 werden auf dieser Route ca. 400.000 t Gestein transportiert. Die Transporte finden, mit Ausnahme der Wintermonate, jeweils von Montag bis Freitag in der Zeit von 6 bis 20 Uhr statt.

Das Verkehrskonzept entspricht den vom Landkreis und der Stadt Glashütte von Beginn an erhobenen Forderungen nach einer möglichst geringen Inanspruchnahme von Ortslagen. Die Transporte auf dieser Route werden am Mittwoch beginnen. Heute und morgen werden die ersten Transporte im Rahmen der genehmigten Frequenzen (max. 43 Fahrten pro Tag) für den Steinbruch Ulberndorf im Ringverkehr auf der Gemeindeverbindungsstraße zwischen Oberfrauendorf und Elend stattfinden. Der Grund dafür ist, dass ein Teil der benötigten Waldwege durch die STRABAG erst bis Dienstag fertig gestellt werden kann.

Das Hochwasserrückhaltebecken Glashütte ist von enormer Bedeutung für den Schutz des gesamten Müglitztals. Im Zusammenwirken vieler Partner ist es gelungen ein schonendes und gleichzeitig effizientes Verkehrskonzept zu entwickeln und umzusetzen.

Natur gegen Technik und Entschlossenheit – ein ungleicher Kampf

Oktober 04, 2010 Von: Harald Weber Kategorie: Landkreis, Nebenan, Personalien, Rettungsdienste, Umwelt, Vereine berichten Kommentare deaktiviert

von Michael Hahne am 29.9.2010

Die anhaltenden Regenfälle ließen in den letzten Tagen zahlreiche Flüsse im Raum Sachsen ansteigen. Kleine Bachläufe wurden zu reißenden Strömungen. Besonders betroffen war die Region im Gebiet Görlitz. Der örtliche Katastrophenschutz rief bereits am Montagabend die höchste Alarmstufe aus. Die Neiße drohte, wie bereits im August, über die Ufer zu treten und zahlreiche Häuser und Straßen zu überschwemmen.

Nach dem die örtlichen Einsatzkräfte u.a. der Freiwilligen Feuerwehren und des Technischen Hilfswerkes bereits einige Zeit im Einsatz waren, erfolgte am Dienstagmittag die Alarmierung weiterer THW-Kräfte, so neben Dresden und Pirna auch aus Dippoldiswalde. 11 ehrenamtlichen Dippser Helfer rückten kurze Zeit später mit zwei Einsatzfahrzeugen Richtung Görlitz aus. Die Region war den THW’lern nicht unbekannt. Erst im August halfen sie im Görlitzer Umland bei der Deichverteidigung und der Beseitigung von Hochwasserschäden.

Einsatz in Werdeck (Foto: Jens Telemann)

Einsatz in Werdeck (Foto: Jens Telemann)

Der diesmalige Einsatzort war ein Bauernhof bei Werdeck, welcher von dem schnell steigenden Wassermassen überschwemmt zu werden drohte. In enger Zusammenarbeit mit der örtlichen Feuerwehr füllten die Helfer Sandsäcke und errichteten Sandsackwall. Im Anschluss wurden vorsichtshalber Wasserpumpen im Keller des Haupthauses betriebsbereit gemacht. Indes stieg das Wasser bedrohlich schnell an, was auch die an verschiedenen Stellen vorgenommen Wasserstandskontrollen aufzeigten. In gerade einmal 30 Minuten stieg der Pegel um knapp 50 cm an.

Nach der Kräftezehrenden Arbeit, wurden die ehrenamtlichen Helfer gegen 0:30 Uhr von Kameraden der Freiwilligen Feuerwehr abgelöst und sie konnten ihren Heimweg antreten. Gegen 4:00 Uhr war ihr Einsatz mit der Wiederherstellung der Einsatzbereitschaft, wozu u.a. die Reinigung und fachgerechte Verlastung der verwendeten Technik sowie die Betankung der Fahrzeuge zählt, beendet.

Einsatz in Mockelthal (Foto: Mirko Radatz)

Einsatz in Mockelthal (Foto: Mirko Radatz)

Aber auch in unserer Region demonstrierte die Natur ihre Macht. Noch während des Einsatzes in Werdeck erhielt der im Dippoldiswalder Ortsverband tätige Einsatzstab, welcher für die Organisation und Koordination der THW-Kräftezuständig ist, den Auftrag, eine weitere Einheit nach Mockethal bei Pirna zu entsenden. Hier drohte ein Hang abzurutschen und ein Wohnhaus unter sich zu begraben.

In Zusammen mit dem Technischen Hilfswerk Pirna legten die 7 Dippser Helfer in Windeseile eine Dränage in den Hang um ihn trocken zu legen. Gegen 2 Uhr konnte dieser Einsatz ebenfalls erfolgreich beendet werden.

Gentechnikfreie Landwirtschaft in unserem Landkreis?

September 26, 2010 Von: Heiko Frey Kategorie: Gesundheit, Landkreis, Umwelt 3 Kommentare →

Im Rahmen der „Tage des ländlichen Raumes“ fand am heutigen Sonntag eine äußerst interessante Diskussion statt, Thema: „Gentechnik im Landkreis Sächsische Schweiz-Osterzgebirge“.
Anlass für diese Diskussionsrunde war ein Antrag der SPD/Grünen-Fraktion im Kreistag im Juni, wo den landwirtschaftlichen Unternehmen im Landkreis empfohlen werden sollte, einer freiwilligen Selbstverpflichtung zur gentechnikfreien Pflanzenproduktion beizutreten. Die Kreisräte fanden jedoch keinen Konsens und wollten mehr Informationen.

Und so diskutierten:
Dr. Bernd Maurer
Referatsleiter für Bio- und Gentechnik, Chemikalien im Sächsischen Staatsministerium für Umwelt und Landwirtschaft
Rolf Bobe
Vorsitzender des Regionalbauernverbandes Sächsische Schweiz-Osterzgebirge und Geschäftsführer der Agrarproduktion Lohmen
Dr. Uwe Schrader
Vorstandsvorsitzender des InnoPlanta e.V., Gatersleben und Abgeordneter (FDP) im Landtag von Sachsen-Anhalt
Jens Heinze
Grüne Liga Osterzgebirge e.V.
Ulf Müller
Betriebsbetreuer bei der Gäa- Vereinigung ökologischer Landbau e.V. Landesverband Sachsen
Die Moderation übernahm Hubertus Grass, ehemaliger Landesgeschäftsführer von B‘90/ Grüne und derzeit in der Geschäftsstelle zur Vorbereitung des Evangelischen Kirchentages 2011 in Dresden tätig.

Im Bild: Die Herren Müller, Bobe, Schrader, Grass, Heinze und Maurer (v.l.)

Alle vorgetragenen Argumente hier wiederzugeben, würde diesen Artikel sprengen, zumal auch unter den Gästen einige Kreisräte waren, die ihre persönlichen Animositäten nicht verstecken wollten.

Als (nicht unvoreingenommener) Zuhörer konnte man erkennen, dass Gentechnik-Befürworter gern ein bisschen am Erbgut der Pflanzen ausprobieren möchten. Mit der Rechtfertigung, dass Kreuzen und Züchten von Pflanzen in der Vergangenheit ja auch schon eine Art Genmanipulation gewesen wäre. Außerdem wären „Schwellwerte“, also Verunreinigungen von Saatgut und Produkten in anderen Bereichen viel höher.

Die Gentechnik-Gegner prangern an, dass mit der Genmanipulation eher an Symptomen herumgedoktert wird, anstatt die Ursachen der Probleme zu suchen. Eine bessere Fruchtfolge auf dem Acker, weniger Monokultur und größerer Artenreichtum können viel verändern und die Manipulation überflüssig machen. Sie plädieren für eine Null-Prozent-Regelung, also für ein Verbot der Gen-Versuche, da eine Abtrennung in der Natur und in der Verarbeitung unmöglich ist. Der Wind und die Bienen halten sich eben nicht an die Grenzen und Gesetze und der Mähdrescher wird auch nicht bis zum letzten Korn gereinigt, bevor er aufs nächste Feld fährt.

Interessant ist die Ablehnung der Gentechnik durch den Vertreter des Bauernverbandes. Er verlangte mehrfach, dass die Gen-Forschung in die öffentliche Hand, also zum Staat gegeben wird. Nur so sind Interessenkonflikte von Forschung und Industrie zu vermeiden, nur so ist auch eine neutrale Bewertung der Versuchsergebnisse möglich. Vielleicht spielt hier schon die Angst eine Rolle, durch verändertes Saatgut abhängig von der Industrie zu werden?

Die Sächsische Staatsregierung versucht sich, aus allem heraus zu halten. Was in Europa erlaubt ist, muss auch in Sachsen gelten und letztendlich soll jeder Bauer innerhalb dieser Regeln frei entscheiden dürfen.

Trotzdem fand man am Ende der Diskussion zu einer Einmütigkeit:
* Genveränderte Lebensmittel müssen deutlich sichtbar deklariert werden.
* Der Staat darf sich aus der Forschung nicht zurückziehen und muss hier mehr Geld investieren.

Außerdem scheinen alle Beteiligten froh, dass es zu diesem Dialog gekommen ist, der fortgeführt werden sollte. Ob die Kreisräte nun doch zu einer einvernehmlichen Beschlussfassung kommen?

Über die Zukunft unserer Umwelt

September 25, 2010 Von: Heiko Frey Kategorie: Kultur, Umwelt, Veranstaltungen 2 Kommentare →

Im Rahmen der Vortragsreihe 2. Halbjahr 2010 in der Osterzgebirgsgalerie im Schloss Dippoldiswalde liest Dietrich Papsch am Mittwoch, dem 27. Oktober 2010, 19:00 Uhr aus seinen Büchern über die Zukunft unserer Umwelt.

Der für Provokationen bekannte Buchautor und bekennende Umweltschützer aus Schellerhau hält uns Menschen darin den Spiegel vor’s Gesicht und ist überzeugt davon, dass unsere aufwändige Lebensweise, unser grenzenloser Energiekonsum, unsere individuelle Automobilität und das System unserer Wegwerfgesellschaft unweigerlich in die Klimakatastrophe führen. Für ihn sind die Katastrophen dieses Sommers in Pakistan und Russland, aber auch in Großenhain und im Kirnitzschtal nur Vorboten für kommende Desaster, die sich aus unseren menschlichen Handlungen in den reichen Ländern unseres Planeten ergeben. Den Auswirkungen unseres Handelns ist aber nicht mit Anpassung und immer höheren Rückhaltebecken und Flussbegradigungen beizukommen, sondern ausschließlich mit einer veränderten Lebensweise, ist sich Papsch sicher. Er kritisiert aber nicht nur unser Tun, sondern zeigt auch Wege für Veränderungen und für eine nachhaltige natur- und klimaschonende Lebensweise in unserer Gesellschaft auf.

Wer Lust und Interesse an der etwa einstündigen Lesung und der anschließenden Diskussion mit dem Autor hat, ist herzlich eingeladen. Eintritt: 2,00 Euro.