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Artikel der Kategorie ‘Bundespolitik’

Gerechte Steuerpolitik statt unsozial streichen – Klaus Brähmig (MdB) lädt zur Diskussion

Oktober 05, 2010 Von: Harald Weber Kategorie: Bundespolitik, Personalien, Sonstiges, Veranstaltungen Kommentare deaktiviert

In den vergangenen Wochen erreichten Brähmig über zwanzig als Standard-Email verschickte Schreiben, die sich kritisch mit dem „Zukunftspaket der Bundesregierung“ auseinandersetzten.

Folgende E-Mail-Vorlage konnte nach Auswahl eines Abgeordneten versendet oder noch individuell angepasst werden:

Betreff: Gerechte Steuerpolitik statt unsozial streichen

Sehr geehrte/r Frau/Herr MdB,

demnächst entscheiden Sie im Bundestag über das Sparpaket der Regierung. Ich halte die Sparbeschlüsse für sozial völlig unausgewogen, denn sie belasten einseitig Erwerbslose, Geringverdienende und Familien. Spitzenverdiener/innen und Vermögende werden verschont, obwohl sie vor der Wirtschaftskrise von riskanten Geschäften an den Finanzmärkten überproportional profitiert haben. Diese Politik steigert soziale Ungleichheit und untergräbt den gesellschaftlichen Zusammenhalt.

Als Abgeordnete/n aus meinem Wahlkreis fordere ich Sie auf: Setzen Sie sich im Bundestag dafür ein, dass die angekündigten Kürzungen im Sozialressort nicht umgesetzt werden. Gestalten Sie stattdessen eine gerechte Steuerpolitik. Beteiligen Sie auch Spitzenverdiener/innen und Vermögende über einen höheren Spitzensteuersatz und eine Vermögensteuer an der Haushaltssanierung. Auch die Verursacher/innen der Krise müssen über eine wirksame Finanztransaktionssteuer deutlich stärker als geplant an den Kosten beteiligt werden!

Ich freue mich auf Ihre Antwort.

Mit freundlichen Grüßen

In seinem sechsseitigen Antwortschreiben nahm Brähmig bereits Stellung und schrieb unter anderem:

[...]

Schulden heute bedeuten Zins- und Tilgungslasten morgen. Daher sind stabile öffentliche Finanzen der Grundpfeiler einer nachhaltigen Generationengerechtigkeit. Damit wird der demographischen Entwicklung politisch Rechnung getragen. Anfang Juni hat die Bundesregierung die Eckpunkte eines Zukunftspaketes mit einem Volumen von rund 80,2 Mrd. € für die Jahre 2011 bis 2014 verabschiedet. Die Maßnahmen betreffen weitgehend den Bereich der Ausgabenseite, sind also echte Einsparungen. Damit unterscheidet sich das Zukunftspaket fundamental von früheren Konsolidierungsbemühungen.

[...]

Die Eckpunkte zum Zukunftspaket werden zurzeit regierungsintern abgestimmt und in einen Entwurf eines Haushaltsbegleitgesetzes einfließen. Da zurzeit die Einzelheiten noch innerhalb der Bundesregierung verhandelt werden, bitte ich um Verständnis, dass ich dazu mich nicht im Detail äußern kann. Der Gesetzentwurf wurde am 1. September 2010 im Kabinett beschlossen. Erst jetzt beginnen die Beratungen im Bundestag und in seinen Ausschüssen. Im Rahmen dieser Beratungen prüfen wir den Entwurf sehr intensiv, um – soweit notwendig – auch Änderungen durchzuführen. Es ist aber verfrüht, hier schon Aussagen machen zu wollen.

[...]

Was die von Ihnen ebenfalls angesprochen Steuerpolitik anbelangt, so bitte ich zu bedenken, dass das Steuerrecht auch ein wichtiger Standortfaktor im internationalen Wettbewerb um Unternehmensansiedlungen und Investitionen ist. Dies trägt zur Sicherung und Schaffung von Arbeitsplätzen bei. Das Wirtschaftswachstum wird daher maßgeblich von diesem Politikfeld beeinflusst. Die aktuell positive wirtschaftliche Entwicklung ist denn auch ein Beleg dafür, dass attraktive steuerliche Rahmenbedingungen eine wichtige Voraussetzung für mehr Wachstum und Beschäftigung sind. Dabei sichert die progressive Einkommensbesteuerung auch den sozialen Ausgleich. Starke Schultern tragen schon heute deutlich mehr als schwache. Eindrucksvoll kann man dies den amtlichen Ergebnissen des Statistischen Bundesamtes entnehmen: Das oberste Drittel der Steuerpflichtigen trägt bereits heute rund 80 Prozent der Einkommensteuer. Reiche lässt der Fiskus also schon heute keineswegs ungeschoren. Nach Angaben des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung wurden 2005 schätzungsweise 29 Millionen Steuerpflichtige zur Einkommenssteuer veranlagt, 14,8 Millionen Ledige und 14,2 Millionen zusammen veranlagte Ehepaare. Im “oberen Bereich der Einkommenspyramide” ergibt sich dabei laut DIW dabei eine “beträchtliche Konzentration” der festgesetzten Einkommenssteuer. Demnach entfallen auf zehn Prozent der Steuerpflichtigen mit den höchsten Einkommen über 50 Prozent des Einkommenssteuer-Aufkommens. Auf die ein Prozent Einkommensreichsten entfallen sogar gut 20 Prozent des Aufkommens und auf die 0,1 Prozent Reichsten – laut DIW 29. 000 Steuerpflichtige – noch 8,3 Prozent des Aufkommens. Das untere Drittel der Einkommen, Haushalte, die wenig oder gar nicht verdienen, erhalten dagegen fast 60 Prozent aller Transferleistungen (Rente, Sozialhilfe, Kindergeld, BAföG, sonstige Staatshilfen), zahlen aber nur rund 5 Prozent der Steuern und Sozialabgaben. Eine Erhöhung des Spitzensteuersatzes würde dies noch verschärfen.

[...]

In diesem Zusammenhang muss ich auch darauf aufmerksam machen, dass der deutsche Staat mittlerweile mit 1,73 Billionen Euro verschuldet ist, obwohl die Leistungen des Staates nach Ihrer Ansicht immer schlechter werden. Wir stecken also in dem Dilemma, dass die Ansprüche an den Staat immer größer werden, obwohl unser Staat schon völlig über seine Verhältnisse lebt. Während frühere Generationen noch singen konnten „Wir versaufen unserer Oma ihr klein Häuschen“, hat die jetzt lebende Generation sich entschieden, nicht mehr ausreichend Vorsorge für die Zukunft unseres Landes und der nachkommenden Generation zu betreiben und will im Hier und Jetzt leben. Wir alle verjubeln das Geld anderer Generationen als ob es kein Morgen gibt und jede Interessengruppe sagt aus voller Inbrunst: „Lasst uns sparen, aber bitte nicht bei mir.“ Auch wir Deutschen haben in den letzten Jahrzehnten deutlich über unsere Verhältnisse gelebt und sicherlich trifft die Politik dabei eine große Verantwortung. Aber selbst mit der Wiedereinführung der Vermögenssteuer, einer deutlichen Erhöhung der Einkommenssteuer bzw. der Einführung einer Reichensteuer und einer Finanzmarkttransaktionsteuer werden wir die Schulden der Bundesrepublik Deutschland nicht so schnell in den Griff bekommen. Seriöse Berechnungen gehen davon aus, dass die Wiedereinführung, Einführung, bzw. Erhöhung der vier genannten Steuern nicht mehr als 25 Milliarden Euro jährlich einbringen. Die Nettokreditaufnahme für Deutschland liegt aber im Jahr 2010 bei 80, 2 Milliarden Euro. Wie wollen wir also ohne entsprechende Sparmaßnahmen jemals aus der Schuldenfalle rauskommen?

[...]

Neben dem Antwortschreiben möchte Klaus Brähmig MdB aber als gewählter Volksvertreter für den Deutschen Bundestag auch den direkten Kontakt herstellen und wird daher am

Montag, den 11. Oktober 2010, 19.00 Uhr,
im Bootshaus Pirna “Zur Dolle”,
An der Elbe 11, 01796 Pirna,

für alle Bürgerinnen und Bürger als Gesprächs- und Diskussionspartner zur Verfügung stehen.

“Mein Westen”

Oktober 03, 2010 Von: Heiko Frey Kategorie: Allgemein, Bundespolitik 1 Kommentar →

Folgende Leseprobe aus dem Buch “Was wollen wir?”, des in Dresden geborenen Autors und Schriftstellers Ingo Schulze empfehlen wir Ihnen hiermit zum Lesen. Kürzer und treffender kann man die Gedanken zum heutigen Feiertag wohl nicht beschreiben:

Zurzeit erhalte ich fast täglich Einladungen zu Veranstaltungen, die dem Herbst 89, dem Mauerfall und den nachfolgenden Ereignissen gewidmet sind. Einer ganzen Reihe von Kolleginnen und Kollegen geht es ähnlich. Nicht nur hierzulande oder in den Goethe-Instituten sind wir gefragt, auch internationale Festivals, Universitäten, Lehrerkongresse und Buchmessen haben das Thema im Angebot. Diese Aufmerksamkeit könnte ein Grund zur Freude sein. Das Unbehagen beginnt jedoch mit den vorab zugeschickten Fragen. Die beliebteste: Wie haben Sie den 9. November erlebt? Ich habe keine besondere Geschichte zu bieten und versuche stattdessen, über den 9. Oktober zu sprechen, den entscheidenden Tag im Herbst 1989, von dem an alles anders wurde. Die zweite Frage: Wie sehen Sie die deutsche Einheit, ist sie vollendet? Es war ein Beitritt, der Beitritt der DDR zur BRD, und der war schnell vollendet. »Liebe Leute, es handelt sich um einen Beitritt der DDR zur Bundesrepublik … Wir fangen nicht ganz von vorn bei gleichberechtigten Ausgangspositionen an«, zitiert sich Wolfgang Schäuble rückblickend selbst.

Weiterlesen: hier

oder


Was wollen wir?
Essays, Reden, Skizzen
ca. 315 Seiten, Gebunden
Berlin Verlag 2009
ISBN-13: 9783827000545

Dippoldiswalde ist örtliche Erhebungsstelle beim Zensus 2011

August 24, 2010 Von: Harald Weber Kategorie: Bundespolitik, Sonstiges, StattVerwaltung/ StattRat Kommentare deaktiviert

Die Europäische Union hat gemeinschaftsweite Volks-und Wohnungszählungen für das Jahr 2011 durch eine Verordnung des Europäischen Parlaments und des Rates über Volks- und Wohnungszählungen vorgeschrieben.
Der Bundesrat hat im Mai 2009 dem vom Bundestag beschlossenen Gesetz zugestimmt. Das Gesetz zur Anordnung des Zensus 2011 trat am 16.07.2009 in Kraft.

Der Zensus dient

  1. der Feststellung der amtlichen Einwohnerzahlen von Bund, Ländern und Gemeinden und der Bereitstellung der Grundlage für die Fortschreibung der amtlichen Einwohnerzahlen für die zeit zwischen zwei Volkszählungen,
  2. der Gewinnung von Grunddaten für das Gesamtsystem der amtlichen Statistik sowie von Strukturdaten über die Bevölkerung als Datengrundlage insbesondere für politische Entscheidungen von Bund, Ländern und Kommunen auf den Gebieten Bevölkerung, Wirtschaft, Soziales, Wohnungswesen, Raumordnung, Verkehr, Umwelt und Arbeitsmarkt sowie
  3. der Erfüllung der Berichtspflichten nach der Verordnung (EG) Nr. 763/2008 des Europäischen Parlaments und des Rates vom 09. Juli 2008 über Volks- und Wohnungszählungen.

Die Große Kreisstadt Dippoldiswalde ist örtliche Erhebungsstelle und für folgendes Erhebungsstellengebiet verantwortlich:
Altenberg, Bad Gottleuba.Berggießhübel, Bad Schandau, Bahretal, Dippoldiswalde, Dohna, Geising, Glashütte, Gohrisch, Hartmannsdorf-Reichenau, Heidenau, Hermsdorf, Königstein, Kreischa, Kurort Rathen, Liebstadt, Müglitztal, Porschdorf, Pretzschendorf, Rabenau, Rathmannsdorf, Reinhardtsdorf-Schöna, Rosenthal-Bielatal, Schmiedeberg, Struppen

Für die Vorbereitung und Durchführung des registergeschützten Zensus ist zum 01. Januar 2011 eine örtliche Erhebungsstelle (öEHSt) als eigene Verwaltungsstelle einzurichten. Die Auflösung erfolgt zum 31. Mai 2012. Die öEHSt ist dem Oberbürgermeister zugeordnet und unterstellt.

Die Stadt wird sich hierzu die ehemaligen Verwaltungsräume in Seifersdorf nutzen.

Zum Herunterladen:
Dieses Dokument als PDF
Fragen und Antworten zum Zensus 2011

Ein weiterer (nervender) Beitrag zu Google Street View

August 19, 2010 Von: Heiko Frey Kategorie: Allgemein, Bundespolitik, Sonstiges 1 Kommentar →

Wenn Sie diesen Artikel als unnötig erachten, bitte gern. Zu diesem Thema wurde in den letzten Wochen viel gesagt, geschrieben, erzählt. Lass ich mein Haus verpixeln oder nicht, lautete die Frage in diesem politischen Sommer(loch).

Beispiel von Google Street View: Das „Ouky Douky“ ist ein nettes kleines Lesekaffee in Prag-HoleÅ¡ovice, Größere Kartenansicht

Wer immer noch der einfältigen Meinung ist, er habe nichts zu verbergen, sollte sich unbedingt die Mühe machen und das Buch „Payback“ von Frank Schirrmacher lesen. In ersten Ansätzen kann man dort erkennen, wie die digitale Reise mit der Menschheit weitergeht und wie schwer das selbst bestimmte Leben in Zukunft werden könnte. Allerdings: Kein einfaches Buch!

Die Interessenkonflikte zwischen Mietern, Nachbarn und Eigentümern sind bei Street View mangels fehlender gesetzlicher Vorgaben bereits programmiert. Was passiert, wenn Mieter A den Antrag zum Unkenntlichmachen des Hauses stellt, Mieter B aber ein kleines Reisebüro im Erdgeschoss betreibt? Kann man eine Wohnung besser vermieten, wenn das Haus im Internet nicht sichtbar ist? Hausverwalter dürften diese Aussichten die Schweißperlen auf die Stirn treiben.

Da Dippoldiswalde nicht unbedingt zu den ersten großen Projekten von Google Street View gehört, haben Sie für einen evtl. Widerspruch noch Zeit. Die momentan gestellten Fristen (15.09.2010, 24:00 Uhr) gelten für 20 ausgewählte Städte. „Für alle anderen Gebiete in Deutschland bleibt dieser Dienst (Anm. d. Red.: das Widerspruchsverfahren) bis auf Weiteres verfügbar.“

Bedenken Sie aber, dass Google Dank Ihres Einspruchs dann über Ihre konkreten Daten (Name, Adresse, E-Mail/ Tel., etc.) verfügt. Und diese könnte man ohne weitere Verifizierung wiederum für andere Dienste nutzen.

Sollte Ihr Haus letztendlich tatsächlich im Internet verpixelt erscheinen, droht schon eine weitere Gefahr. Derzeit bildet sich gerade eine “Google-Fangruppe“, die Ihr verschwommenes Haus von der Straße fotografieren und trotz Widerspruch ins Internet (siehe Video bei SPON) stellen wollen. Wie dies aussehen kann? Rufen Sie einfach mal den Dienst Google Maps auf und klicken Sie rechts oben auf „Mehr“ und dann auf „Fotos“! Hier werden über das Portal Panoramio Fotos ein die Landkarte eingebunden, die später auch Ihr Haus zeigen könnten. Gleiches funktioniert übrigens auch schon bei Street View, wie Sie gern bei dem oben vorbereiteten Link testen können. Und gegen diese Bilder Ihres Hauses können Sie derzeit kaum Einspruch einlegen!

Diskutieren Sie!

August 18, 2010 Von: Heiko Frey Kategorie: Bundespolitik, Dippolds Info, Sonstiges Kommentare deaktiviert

  • … mit Freunden, Bekannten, Kollegen
  • … mit Parteimitgliedern
    (CDU, FDP, SPD, Linke, Grüne, Piraten, etc.)
  • … mit Abgeordneten aus Stadtrat und Landtag
  • … mit Abgeordneten des Bundestages
    (http://www.bundestag.de/bundestag/abgeordnete17/)

Unter dem Titel „Du musst den Gürtel enger schnallen!“ fanden wir ein durchaus sehenswertes Video zum Thema Geldverteilung in Deutschland. Gerade in dem Moment, wo die Zahlen der Wirtschaft überraschend gut ausfallen, der Großteil der Bevölkerung aber der Meinung ist, nichts davon im eigenen Portemonnaie zu spüren, …

Hier ist die Erklärung:

Ist dies ein Thema für die Dippser StattZeitung? Hier haben wir schon innerhalb unserer Redaktion lange diskutiert und wir meinen letztendlich „JA“.
Auch in Dippoldiswalde wird es statistisch gesehen zwei Drittel der Bevölkerung geben, die keinen Aufschwung verspüren können. In der Realität wird in Dippoldiswalde auch das begünstigte restliche Drittel nicht in dem Maß vorhanden sein, wie beispielsweise in München oder Hamburg.
Schauen Sie sich einfach den Beitrag kurz an und „Diskutieren Sie!“

Wie es kommt, dass die gewählten „Volksvertreter“ nicht mehr als Vertreter der gesamten Bevölkerung agieren? EINE Antwort finden Sie im folgenden Ausschnitt aus dem öffentlich-rechtlichen Fernsehen. Gesendet zur Prime-Time um 7.35 Uhr. Viele weitere Hintergrundinformationen liefern die NachDenkSeiten, die u.a. der ehemalige Bundestagsabgeordnete Albrecht Müller anbietet.